Liebe Fußballfreunde, es ist wieder Freitag — und diesmal ohne Pokal-Kater. Der ist verdaut. Mehr oder weniger. Was jetzt kommt, ist echter Endspurt-Fußball: Drei Spieltage vor Schluss, vier Klubs kämpfen um zwei Champions-League-Plätze, unten zittert sich eine ganze Reihe von Vereinen durch die letzten Wochen, und Bayern München empfängt Heidenheim, als wäre es das langweiligste Spiel der Saison. Für einen Klub der beiden ist es das nicht
Der Samstag am 2. Mai wird einer dieser Spieltage, über die man noch in zehn Jahren redet. Nicht wegen Bayern. Wegen allem anderen.
Die Ausgangslage: So eng war der Kampf um Europa selten
Bevor wir zu den Spielen kommen, kurz der Blick auf das, was auf dem Spiel steht:
Bayern München (82 Punkte) ist Meister, fertig, Thema durch. Die spielen jetzt für Statistiken und die Moral vor dem Champions-League Rückspiel gegen PSG.
Borussia Dortmund (67 Punkte, Platz 2) hat das letzte Wochenende mit einem 4:0 gegen Freiburg eindrucksvoll abgeliefert und ist für Platz 2 klar auf Kurs. Aber aufgepasst: Am Sonntag geht’s nach Gladbach.
Dann wird’s richtig interessant. RB Leipzig (62 Punkte, Platz 3) hat fünf Bundesliga-Siege in Folge — und kann am Samstag Abend in Leverkusen mit einem Sieg die Champions League rechnerisch klar machen. Stuttgart (57 Punkte, Platz 4) und Hoffenheim (57 Punkte, Platz 5) sind punktgleich, spielen gegeneinander. Leverkusen (55 Punkte, Platz 6) ist zwei Punkte hinter Stuttgart — und braucht heute zwingend einen Sieg, um überhaupt noch in der Rechnung zu bleiben.
Das sind vier Klubs, zwei direkte Duelle, ein Spieltag. Und am Ende könnte alles ganz anders aussehen.
Das Topspiel: Bayer Leverkusen vs. RB Leipzig (Samstag, 18:30 Uhr)
Das ist das Spiel dieses Wochenendes. Klar.
Ich sage das nicht als Leverkusen-Fan, der sich an einem Hoffnungsstrohhalm festhält. Ich sage das, weil die Konstellation objektiv dramatisch ist. Leverkusen muss gewinnen, um den Rückstand auf Stuttgart nicht auf fünf Punkte anwachsen zu lassen. Ein Unentschieden reicht nicht. Ein Unentschieden würde bedeuten: Champions League wahrscheinlich vorbei.
Leipzig dagegen kommt mit einer Form, die mir als Leverkusen-Fan ehrlich gesagt Respekt und leichte Übelkeit gleichzeitig bereitet. Fünf Siege in Folge. In den letzten fünf Ligaspielen 14 Tore erzielt, nur zwei kassiert. Yan Diomandé — 19 Jahre alt, 12 Saisontore — ist gerade in einer Form, die europäische Scouts schlicht wahnsinnig macht. Und Ole Werners Mannschaft hat in 24 von 31 Saisonspielen als erstes Tor erzielt.
Was Leverkusen dagegen aufbieten kann: Patrik Schick trifft seit Wochen wie am Fließband — sechs Tore in den letzten fünf Bundesliga-Spielen. Alejandro Grimaldo hat fünf Freistoßtore in dieser Saison, alleiniger Bundesliga-Bestwert. Und Leverkusen hat in dieser Saison in jedem einzelnen Heimspiel mindestens einmal getroffen — das ist kein Zufall, das ist Mentalität.
Das Problem: In neun der letzten 15 Bundesliga-Heimspiele kassierte Leverkusen mindestens ein Gegentor. Und wettbewerbsübergreifend haben sie nur eines der letzten fünf Heimspiele gewonnen. Das 1:2 gegen Augsburg sitzt noch tief.
Der direkte Vergleich spricht übrigens für Spannung: Die letzten fünf Duelle endeten 3:1, 2:2, 2:3, 3:2 und 3:2 — in jedem Spiel mindestens vier Tore. Das ist keine Statistik, das ist ein Versprechen.
Ich glaube, dass Leverkusen alles reinschmeißt. Wirklich alles. Die BayArena wird brennen. Und trotzdem glaube ich, dass Leipzig mindestens einen Punkt mitnimmt — die Form ist zu gut, um einfach wegzuklappen. Mein Herz tippt 2:1 für Leverkusen. Mein Kopf sagt 2:2.
Ich tippe mit dem Herz.
Mein Tipp: Bayer Leverkusen 2:1 RB Leipzig
Das zweite Direktduell: Hoffenheim vs. Stuttgart (Samstag, 15:30 Uhr)
Das ist das Spiel, das das Topspiel abends erst richtig spannend macht.
Hoffenheim und Stuttgart sind punktgleich bei 57 — Platz 4 und 5. Wenn sie Unentschieden spielen, könnte Leverkusen am Abend mit einem Sieg an beiden vorbeizeihen. Das sind die Szenarien, für die ich den Fußball liebe.
Was für Hoffenheim spricht: Sie sind das laufstärkste Team der Liga — 123,1 Kilometer pro Spiel. Kramarić trifft zum neunten Mal in Folge zweistellig (12 Saisontore), Asllani hat aus dem Stand 10 Tore in seiner ersten Stammelf-Saison gemacht. Und sie spielen zu Hause.
Was für Stuttgart spricht: Der VfB ist das torgefährlichste Team hinter Bayern und Dortmund (63 Saisontore). Und sie haben gerade noch das DFB-Pokalfinale vor der Brust — das gibt Motivation, aber kostet auch Energie.
Die Quoten sagen 41,1% für Hoffenheim, 35,8% für Stuttgart. Ich tippe auf ein torreiches Unentschieden — beide brauchen eigentlich den Sieg, beide haben aber auch Angst zu verlieren. Das klassische Rezept für 2:2.
Mein Tipp: TSG Hoffenheim 2:2 VfB Stuttgart
Bayern München vs. Heidenheim (Samstag, 15:30 Uhr)
77,9% Siegwahrscheinlichkeit für Bayern. Champions-League-Halbfinale gegen PSG am Dienstag. Heidenheim hat dreimal in München gespielt und stets mindestens vier Gegentore kassiert.
Das wird keine Analyse, das wird ein Ergebnis. Bayern rotiert, gewinnt trotzdem, und Heidenheim kämpft um die Ehre. Ich wünsche dem Abstiegskandidaten aus der Ostalb alles Gute — aber nicht heute.
Mein Tipp: Bayern München 4:1 Heidenheim
Abstiegskampf: Wer zittert am meisten?
Union Berlin vs. Köln (Samstag, 15:30 Uhr)
Union (32 Punkte, Platz 13) gegen Köln (31 Punkte, Platz 14) — Schrebergarten-Niveau in der Tabelle, aber trotzdem wichtig. Union hat aus den letzten fünf Spielen nur einen Punkt geholt, Köln hat seit sechs Gastspielen in Berlin nicht gewonnen. Die Quoten: 39% Union, 32,6% Köln. Ich tippe auf Union, weil sie zu Hause sind und es dringend brauchen.
Mein Tipp: Union Berlin 2:1 1. FC Köln
Werder Bremen vs. Augsburg (Samstag, 15:30 Uhr)
Bremen (32 Punkte) empfängt Augsburg (37 Punkte). Bremen hat zuletzt 1:1 in Stuttgart gespielt — ordentlich, aber nicht genug. Augsburg hat das Derby gegen Frankfurt 1:1 gehalten. Quoten: 48,6% für Bremen, 26,7% für Augsburg. Ich tippe auf einen knappen Bremener Sieg — zu Hause, vor eigenem Publikum, mit dem Druck im Nacken.
Mein Tipp: Werder Bremen 2:1 FC Augsburg
FC St. Pauli vs. FSV Mainz (Sonntag, 15:30 Uhr)
Das ungemütlichste Spiel des Wochenendes für St. Pauli (26 Punkte, Platz 16). Die Kiezkicker verloren zuletzt 0:2 in Heidenheim — und das gegen das Schlusslicht. Mainz (34 Punkte) dagegen hat Nadiem Amiri zurück, der in dieser Saison mit 11 Toren intern klarer Topscorer ist. Die Quoten sagen praktisch Münzwurf: 35% St. Pauli, 36,4% Mainz. Ich tippe auf Mainz — Amiri-Effekt.
Mein Tipp: FC St. Pauli 1:2 FSV Mainz
SC Freiburg vs. VfL Wolfsburg (Sonntag, 19:30 Uhr)
Wolfsburg (25 Punkte, Platz 17) ist in echter Abstiegsnot und muss in Freiburg gewinnen. Freiburg hat nichts mehr zu verlieren — sie spielen am Donnerstag das Europa-League-Halbfinale gegen Braga. Ein spätes Sonntagsspiel mit einem müden Europacup-Klub als Gastgeber und einem verzweifelten Abstiegskandidaten als Gast. Quoten: 37,8% Freiburg, 35,5% Wolfsburg. Ich tippe auf Wolfsburg — wenn nicht jetzt, wann dann?
Mein Tipp: SC Freiburg 1:2 VfL Wolfsburg
Eintracht Frankfurt vs. Hamburger SV (Samstag, 15:30 Uhr)
Frankfurt (43 Punkte) gegen HSV (31 Punkte). Frankfurt hat 55,6% Siegwahrscheinlichkeit, und der HSV hat in den letzten fünf Spielen 13 Gegentore kassiert. Das ist keine Abwehr, das ist ein Einladungsschreiben. Ich tippe auf Frankfurt und erwarte mindestens zwei Treffer der Eintracht.
Mein Tipp: Eintracht Frankfurt 3:1 Hamburger SV
Gladbach vs. Dortmund (Sonntag, 17:30 Uhr)
Dortmund (67 Punkte) braucht eigentlich nichts mehr — Platz 2 ist sicher, außer es passiert ein komplettes Wunder. Aber nach dem 4:0-Schützenfest gegen Freiburg letzte Woche kommen sie mit Selbstvertrauen nach Gladbach (32 Punkte). Quoten: 49,8% für BVB, 25,7% für Gladbach. Ich tippe auf Dortmund, aber knapper als die Quoten versprechen.
Mein Tipp: Borussia Mönchengladbach 1:2 Borussia Dortmund
Mein Fazit: Das ist der Spieltag, der die Saison entscheidet
Ihr merkt es: Dieser 32. Spieltag ist kein gewöhnlicher. Wenn Hoffenheim und Stuttgart sich neutralisieren und Leverkusen gleichzeitig gegen Leipzig gewinnt, ist Platz 4 plötzlich wieder real. Wenn Leipzig in der BayArena gewinnt, ist die Champions League für die Sachsen so gut wie durch — und für Leverkusen eigentlich auch vorbei.
Drei Spieltage. Zwei Champions-League-Plätze. Vier Klubs. Das nenne ich Saisonfinale.
Ich fiebere mit Schick, Grimaldo und Co. — und tippe trotzdem so realistisch ich kann. Am Samstag um 18:30 Uhr weiß ich mehr. Ihr auch.
Viel Spaß beim Schauen. Auf geht’s, Werkself.
Keine Anlageempfehlung, keine Wettempfehlung. Nur Meinungen eines Fußball-Fans mit zu viel Zeit und zu wenig Nerven.