google+ ge-facebooked – oder Warum Page den Zuckerberg-Weg geht!

Google unter neuer Führung

Marco Gomes by flickr.com/
Marco Gomes by flickr.com/

Stell dir mal vor DU bis Mitte dreißig und hast ein gutgehendes Unternehmen. Nach kurzer Auszeit entschließt du dich, sogar wieder selbst als Lenker und Denker an Bord zu gehen, um deinen Unternehmenserfolg zu maximieren und damit den Wert zu erhöhen. Deine Aktionäre freuen sich über Share-Holder-Value und du hast ja selbst auch noch ein paar Anteile – also macht dich dein erfolgreiches Handel auch noch reicher.

Gehen wir einen Schritt weiter und schauen uns an was dein Unternehmen produziert. Wie ist die Wertschöpfungskette in deinem Unternehmen aufgebaut? Welche Märkte adressierst du und wo lohnt es sich zu expandieren? Wodurch kannst du deinen Profit maximieren? Dein Unternehmen produziert nichts außer heißer Abluft, die teuer gekühlt werden muss. Dennoch nutzen mehr als 75 % aller Internetnutzer weltweit täglich die von deinem Unternehmen zur Verfügung gestellten Dienste. Die meisten Dienste stellst du deinen Kunden kostenfrei zur Verfügung; das hat dir in der Vergangenheit den hohen Marktanteil beschert. Refinanziert wird das durch ein bisschen Werbung, die du mit deinen Dienste mit auslieferst.

Ganze Generationen von Webseitenentwicklern und sonstigen Onlinegurus beschäftigen sich mit der Optimierung ihre Inhalts, damit dein geheimer Algorithmus ihre Inhalte möglichst gut findet und auf deiner Ergebnisseite weit oben auswirft.

Und irgendwann hat mal einer in deiner Unternehmung ermittelt, dass man mit dem Verkauf von Premiumdiensten noch mehr Geld verdienen könnte. Also hast du nicht nur das ganze Internet kartographiert, sondern hast auch Autos Bilder von Straßen aufnehmen lassen und Satellitenbilder für den Normalsterblichen lesbar gemacht. Mit diesen und vielen anderen Diensten bringst du es auf einen Unternehmenswert von rund 120 Milliarden US-Dollar. Über deine Markenbekanntheit brauchen wir uns an dieser Stelle nicht zu unterhalten.

Du bist Google und heißt Larry Page. Alle Welt kennt dich und viele lieben und verehren dich.

 

Wer ist denn dieser Facebook?

Und dann kommt da einer um die Ecke der stellt dein Lebenswerk in Frage. Mark Zuckerberg findet deine Suchalgorithmen zwar nicht schlecht, aber mit geschickter Marketingstrategie schafft er es, dass er die Nutzer, die seinen Dienst benutzen, kennt. Die müssen sich registrieren, um ihren Freunden ihre Welt im Internet zu zeigen. Moment, die katalogisieren auch das Internet? Irgendwie schon — allerdings basiert deren Sicht auf die Inhalte des WWW aus der subjektiven Wahrnehmung des Einzelnen und nicht auf dem unternehmenseigenen geheimen Algorithmus eines Großkonzerns.

Spielerisch bring dieser Jungspund die Nutzer auch noch dazu, dass Sie sich gegenseitig einladen und miteinander kommunizieren. Inhalte der Kommunikation ist eine wichtige Komponente der Suchergebnisverbesserung,  die du bisher nicht nutzen konntest, weil deine Nutzer meist anonym deinen Dienst genutzt haben. Und dann kommt der Oberhammer.

Goldmann Sachs und andere tolle Investmenthäuser investieren bei der Konkurrenz namens Facebook, und auf einmal ist dein eigenes Vermögen und das deines Mitstreiters Sergey Brin kleiner als das des Herrn Zuckerberg. Denn vorsichtige Analysten (Oxymoron) gehen von einem Unternehmenswert von Facebook vor dem Börsengang zwischen 70 und 100 Milliarden US-Dollar aus.

Marketing ist Alles!

Was also bleibt dir? Fange deine zahllosen User ein und baue eine von vorne herein Sicherheits- und Privatsphären-wahrende Community. Goole Plus ist online nun auch für alle – die 750 Millionen User, die Facebook zur Zeit für sich angibt, toppst du innerhalb kürzerer Zeit. Und außerdem hast du soviel tolle Dienste entwickelt, die man schön in eine solche Community implementieren könnte – das muss doch ein Erfolg werden. Denk nur mal an Google Places und Street View oder dein eigenes Mailsystem mit gmail. Außerdem bietest du deinen zahlenden Kunden ja bereits Telefone an, da brauchst du gar kein App mehr in Auftrag zu geben. Und wie wird der Premiumdienst benannt – google +!

Und wieder einmal hast du es geschafft. Du bist in aller Munde und auf einmal finden alle, dass du doch von jeher immer besser warst und freuen sich, dass du diese Idee hattest und sie so eindrucksvoll umgesetzt hast. Ab heute facebooken, xingen oder linkinen und twittern die angemeldeten Nutzer nicht nur – es wird nun auch gegoogelplust. Und unmittelbar steigt dein Unternehmenswert.

Und nun mal ehrlich…

Alles toll soweit – Googles Aktienwert steigt, weil Google durch Google Plus endlich Nutzerdaten kennt und verwenden darf. Facebook legt wahrscheinlich einen IPO aufs Parkett, der die Internetgemeinde erzittern lässt. Weil Facebook seine Nutzer kennt und liebt. Und das Geld fließt in Strömen im Land von Honig und Zuckerwatte.

Mahnend darf an dieser Stelle erinnert werden, dass 1999 bereits eine Blase aufgebauscht wurde, die dazu führte, dass Milliarden Dollar/EUR/DM zu Grabe getragen wurden. Komischerweise hatten damals wie heute Leute auf Grund von Hoffnungen in Ideen investiert, die selbst bei optimistischster Annahme langfristig nicht in einem tragfähiges Geschäftsmodell münden konnten. Erinnern wir uns doch mal an Herrn Manfred Krug, der zu dieser Zeit Telekom-Aktien empfahl und die zahllosen „Friseusen” damit um ihr Erspartes brachte.

Heute gehen Unternehmen an die Börse, die eben nur von Ihren Nutzern leben. Die Nutzerdaten sind  dem Anleger bereits ihre Einlagen wert. LinkedIn, ein ähnliches Portal wie unser deutsches Xing, startete am Börsentag mit einem Kursgewinn von 84 % über dem Ausgabewert. Je gläserner der Konsument wird, umso wichtiger ist es, die Daten des Kunden zu bündeln und auswerten zu können. Wer kann mit wem führt zu einer qualifizierten Aussagen wenn WER und WEM bekannt sind. Und bei Konsumenten noch viel wichtiger –- was kauft wer. Damit kommt der nächste Super-Börsengang auf die Anleger zu: Groupon CityDeal. Die wissen, wonach ihre registrierten Nutzer suchen und was wer wann gekauft hat und sind damit für die Blase der Informationsphantasten eine sichere Beute. (Anmerkung in eigener Sache: Die soeben genannten Unternehmen machten bislang nur operative Verluste.)

Fazit

Google hat die Zeichen der Zeit erkannt und kann neben der schon vorhandenen Monetarisierung seiner Dienst mit Google Plus auf legalisierten Datenfang gehen. Die Shoppingplattform (Einkaufsabwicklung durch Google Merchant) und das Bewegungsprofil (Places und Earth) machen den bisherigen User, der nun im Rahmen von Google Plus eine sichtbare Identität erhält, transparenter als je zuvor. Alle Daten liegen in der Hand von Google, sowohl deine Freundschaften, deine Geschäftsbeziehungen, der Familienstand, dein Einkaufsverhalten und natürlich auch die von dir besuchten Lokationen und dein Zuhause. Und Google weiß auch, welche Webseiten du besuchst und welche du deinen “Kreisen” vorgeschlagen hast. Demnächst wird die Bundesregierung den Zensus wohl bei Google in Auftrag geben.

Arne

schreibt seit 2009 unregelmäßig an diesem Blog unter anderem über die Themen Fußball (HSV), Technik und Software. Unter anderem auch unterwegs Twitter, Google+, Facebook und XING

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